
Du gehst regelmäßig ins Gym, aber zwei Stockwerke Treppe bringen dich trotzdem außer Atem. Oder du hast schon dreimal mit dem Laufen angefangen und jedes Mal nach zwei Wochen aufgehört, weil es sich nur nach Quälerei angefühlt hat. Beides hat oft dieselbe Ursache: Ausdauertraining wird entweder ganz weggelassen oder viel zu hart gemacht. Dabei ist der Einstieg unspektakulär, sobald du weißt, welche Form zu dir passt, wie intensiv du wirklich trainieren solltest und wie sich Ausdauer mit Krafttraining verträgt.
Was Ausdauertraining ist
Ausdauertraining umfasst alle Aktivitäten, bei denen du über einen längeren Zeitraum in Bewegung bleibst und dein Körper überwiegend aerob arbeitet, also mit Sauerstoff Energie gewinnt. Die Muskeln arbeiten dauerhaft, Herz und Lunge liefern kontinuierlich nach. Das Ziel: eine Belastung möglichst lange durchhalten, ohne vorzeitig zu ermüden.
Typische Formen:
- Laufen und Joggen
- Radfahren
- Schwimmen
- Rudern
- Wandern und zügiges Gehen
- Aerobic, Step, Dance-Fitness
Welche Sportart du wählst, ist zweitrangig. Wichtiger ist, dass du sie regelmäßig machst. Bei Übergewicht oder Gelenkbeschwerden sind Radfahren und Schwimmen oft die verträglichere Wahl, weil sie die Gelenke weniger belasten als Laufen.

Die vier Methoden im Ausdauertraining
Die Methoden unterscheiden sich vor allem darin, wie Belastung und Erholung verteilt sind:
- Dauermethode: Gleichmäßige Belastung über einen längeren Zeitraum, etwa 30 bis 60 Minuten Laufen in moderatem Tempo. Die Basis für die Grundlagenausdauer und die Methode, mit der jeder Einsteiger beginnen sollte.
- Intervallmethode: Wechsel zwischen Belastung und Erholung, zum Beispiel eine Minute schnell laufen, zwei Minuten locker gehen. Verbessert die Ausdauer und die Verträglichkeit höherer Intensitäten.
- Fahrtspiel (Fartlek): Du variierst Tempo und Intensität nach Gefühl, etwa schneller bis zur nächsten Bank, dann wieder locker. Unstrukturiert, spielerisch und für viele die motivierendste Variante.
- Hochintensives Intervalltraining (HIIT): Sehr kurze, sehr harte Intervalle mit knappen Pausen, etwa 20 Sekunden Sprint, 40 Sekunden Gehen. Wirkt stark auf Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel, belastet aber auch deutlich mehr. Eher etwas für Fortgeschrittene mit stabiler Grundlage.
Eine Faustregel aus dem Ausdauersport: rund 80 Prozent des Umfangs locker, 20 Prozent intensiv. Wer die Verteilung umdreht, fühlt sich nach jeder Einheit fertig, kommt aber selten weiter.
Was regelmäßiges Ausdauertraining im Körper verändert
Der Körper passt sich an wiederholte Belastung an, und zwar auf mehreren Ebenen:
- Herz: Der Herzmuskel wird kräftiger und pumpt pro Schlag mehr Blut. Der Ruhepuls sinkt mit der Zeit, das Herz arbeitet ökonomischer.
- Lunge und Atmung: Die Atemmuskulatur arbeitet effizienter, die Sauerstoffaufnahme verbessert sich.
- Blut und Gefäße: In der Muskulatur entstehen mehr Kapillaren, die Blutverteilung wird besser, Blutfettwerte entwickeln sich oft günstiger.
- Muskulatur: Die Muskelzellen bilden mehr und leistungsfähigere Mitochondrien, nutzen Fett besser als Energiequelle und ermüden später.
Im Alltag merkst du das daran, dass dich dieselbe Belastung weniger anstrengt: Treppen, der Radweg zur Arbeit, ein langer Tag auf den Beinen.
Gesundheitliche Vorteile
Die Effekte gehören zu den am besten belegten in der Sportmedizin:
- geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- bessere Blutzuckerregulation
- Unterstützung beim Gewichtsmanagement
- höhere Stressresistenz und bessere Stimmung
- bessere Schlafqualität
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Ausdaueraktivität pro Woche. Fünfmal 30 Minuten zügiges Gehen reicht also, um in diesen Bereich zu kommen. Mehr bringt mehr, aber der größte Sprung passiert zwischen gar nichts und regelmäßig etwas.
Intensität steuern: Puls, Borg-Skala, Sprechtest
Der häufigste Fehler im Ausdauertraining ist nicht zu wenig Training, sondern zu hartes. Deshalb solltest du wissen, in welchem Bereich du dich gerade bewegst. Drei Methoden, von technisch bis simpel:
- Herzfrequenz: Die Faustformel für die maximale Herzfrequenz lautet 220 minus Lebensalter. Der moderate Bereich liegt bei etwa 60 bis 75 Prozent davon. Für einen 40-Jährigen wären das grob 108 bis 135 Schläge pro Minute. Die Formel streut allerdings um zehn Schläge und mehr. Nimm die Werte als Orientierung, nicht als Gesetz.
- Borg-Skala: Du bewertest deine Anstrengung selbst auf einer Skala von 6 (sehr leicht) bis 20 (maximal). Moderates Ausdauertraining liegt bei 11 bis 14, also zwischen „recht leicht“ und „etwas anstrengend“.
- Sprechtest: Kannst du dich in ganzen Sätzen unterhalten, bist du im Bereich der Grundlagenausdauer. Kommen nur noch einzelne Worte heraus, bist du nahe an deiner Grenze.
| Bereich | Anteil der max. Herzfrequenz | Borg (6–20) | Sprechtest | Typische Einheit |
|---|---|---|---|---|
| Locker, Regeneration | 50–60 % | 9–11 | Unterhaltung mühelos | Einlaufen, lockerer Lauf 20–30 Min. |
| Grundlagenausdauer | 60–75 % | 11–14 | ganze Sätze möglich | Dauerlauf 30–60 Min. |
| Tempodauerlauf | 75–85 % | 14–16 | nur kurze Sätze | 20–30 Min. zügig |
| Intervalle | 85–95 % | 17–19 | einzelne Worte | 6 × 2 Min. schnell, 2 Min. locker |
Die Grenzen zwischen den Bereichen sind fließend. Wenn Pulsuhr und Sprechtest sich widersprechen, gewinnt der Sprechtest.
Ausdauertraining und Krafttraining kombinieren
Kraft und Ausdauer schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich. Die Reihenfolge hängt davon ab, was dir wichtiger ist:
- Muskelaufbau hat Priorität: Krafttraining zuerst, danach eine lockere Ausdauereinheit. Noch besser: beides auf getrennte Tage legen. Wer nach dem Intervalllauf schwere Kniebeugen macht, trainiert beides mit halber Qualität.
- Ausdauer hat Priorität: Ausdauer steht im Zentrum, Krafttraining stabilisiert ergänzend Muskulatur und Gelenke, meist mit zwei kurzen Einheiten pro Woche.
In beiden Fällen entscheidet die Regeneration. Zwei harte Einheiten direkt hintereinander, etwa schweres Beintraining und am nächsten Tag Intervalle, können schnell zur Überlastung führen. Plane pro Woche mindestens einen kompletten Ruhetag ein.

Häufige Fehler
- Zu schnell starten: Viele laufen jedes Mal so schnell wie möglich. So fehlt die Grundlage, und das Verletzungsrisiko steigt. Mehr ruhige Einheiten, weniger Vollgas.
- Zu wenig Variation: Immer dieselbe Strecke im selben Tempo führt irgendwann ins Plateau. Wechsle Dauer, Tempo und Methode.
- Umfang zu schnell steigern: Als Orientierung gilt, den Wochenumfang um höchstens rund zehn Prozent zu erhöhen. Sehnen und Bänder passen sich langsamer an als das Herz.
- Schlechtes Schuhwerk: Abgenutzte oder unpassende Laufschuhe begünstigen Knie-, Hüft- und Rückenprobleme. Ein passender Schuh ist eine der sinnvollsten Investitionen im Laufsport.
- Keine Regeneration: Tägliche harte Läufe ohne Ruhetage begünstigen Überlastungen wie das Schienbeinkantensyndrom oder Achillessehnenprobleme.
Trainingspläne für Einsteiger und Fortgeschrittene
Einsteiger: in sechs Wochen Richtung 30 Minuten Laufen
Drei Einheiten pro Woche, jeweils mit einem Ruhetag dazwischen. Gelaufen wird im Sprechtempo, nicht schneller.
| Woche | Ablauf pro Einheit | Gesamtdauer |
|---|---|---|
| 1–2 | 5 Min. Gehen, 1 Min. Laufen, im Wechsel | 20–25 Min. |
| 3–4 | 3 Min. Gehen, 2 Min. Laufen, im Wechsel | 25–30 Min. |
| 5–6 | 2 Min. Gehen, 4 Min. Laufen, im Wechsel | 30 Min. |
| ab 7 | Gehpausen weiter verkürzen, Laufblöcke verlängern | 30 Min., später bis 45 Min. am Stück |
War eine Woche zu schwer, wiederhole sie. Der Plan ist ein Gerüst, keine Vorschrift.
Fortgeschrittene: vier Einheiten pro Woche
- 2 × langer, lockerer Lauf: 45 bis 60 Minuten in moderatem Tempo
- 1 × Intervalleinheit: zum Beispiel 6 × 2 Minuten zügig, 2 Minuten locker
- 1 × Fahrtspiel oder Tempodauerlauf: 20 bis 30 Minuten etwas schneller als das normale Trainingstempo
Ziel ist hier nicht mehr das Durchhalten, sondern die Steigerung: bessere Zeiten, längere Distanzen oder die Vorbereitung auf einen konkreten Lauf.
Wo Ausdauertraining an Grenzen stößt
Ausdauertraining ist ein starkes Werkzeug, aber kein Allheilmittel. Muskeln baut es kaum auf, dafür brauchst du Krafttraining mit steigender Belastung. Beim Abnehmen hilft es, entscheidet aber nicht allein: Die Energiebilanz hängt zum größeren Teil an der Ernährung. Die Pulsformel 220 minus Alter ist ein grober Schätzwert und kann bei dir deutlich danebenliegen. Und wer Herzprobleme, hohen Blutdruck oder eine lange Trainingspause hinter sich hat, sollte den Einstieg ärztlich absichern, statt einfach loszulaufen.
Du musst weder einen Marathon laufen noch täglich stundenlang trainieren. Zwei bis drei moderate Einheiten pro Woche, kombiniert mit etwas Krafttraining, bilden bereits eine solide Basis für einen belastbaren Körper. Der Rest ist Regelmäßigkeit.
Was den meisten dabei fehlt, ist nicht Wissen, sondern ein Rahmen: ein Plan, der Kraft- und Ausdauertage sinnvoll verteilt, und ein Ort, an dem du Gewicht, Maße und jede Einheit festhältst, damit du die Anpassung über Wochen tatsächlich siehst. Genau dafür ist YUKADO gebaut.
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Hinweis: Dieser Artikel ist eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine ärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Bei Vorerkrankungen, Beschwerden oder nach längeren Trainingspausen sprich vor dem Start mit deinem Arzt.